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Gesellschaft der NIHILISMEN. Eine Todesprämie von 725 Euro. KOMMENTARE zu Ausstiegsszenarien in Japan - "Überalterungsgesellschaften" und Euthanasie

Im Rahmen der Besprechung des Films PLAN 75 von Hayakawa Chie konstatiert der österreichische Germanisten, literarischen Übersetzers und Schriftsteller Leopold Federmair (*1957) im August 2022 eine beachtliche Bereitschaft vieler Japaner und Japanerinnen, sich aus dem irdischen Leben vor ihrer Zeit zu veranschieden.  


"Je mehr die Gesellschaft altert, desto drängender stellt sich die Frage nach der Würde des Sterbens. Die Medizin lindert körperliche Qualen, hilft aber nicht gegen Einsamkeit und Sinnleere. In Japan wird viel unbefangener über den guten Tod nachgedacht als bei uns."


Zum Film heißt es: "Wenn sie sich für den vorzeitigen Tod entscheiden, erhalten Menschen über 75 in Japan 725 Euro. Aber noch ist das Fiktion. – Szene aus dem Spielfilm «Plan 25»."


Tatsächlich befassen sich seit ein paar Jahren einige japanische künstlerische Repräsentationen mit dem Thema des letalen Ausstiegs aus einer meist von social engineering geprägten Gesellschaft, entweder auf mehr oder weniger freiwilliger Basis oder in Folge gezielter Regierungsmaßnahmen. - etwa im Roman Iwaba no ue kara (2017) von Kurokawa Sô. Auch die biopolitisch konnotierten Szenarien der Autorin Murata Sayaka weisen in diese Richtung. 


"In ihrem Langfilmdebüt entwirft Chie HAYAKAWA eine beängstigend naheliegende Dystopie, die das gegenwärtige japanische Sozialsystem hinterfragt. PLAN 75 feierte 2022 seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes und wurde als japanischer Beitrag ins Rennen um den Oscar geschickt." (NIPPON CONNECTION 2023)



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