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Rückblick: Kritische Intellektualität aus Japan - Henmi Yō im Interview

vor 4 Stunden
2 Min. Lesezeit

異常な風景になれすぎている 劣化する世界、覚悟決めよ 9・11から25年 作家・辺見庸さんと考える

„Wir haben uns zu sehr an abnormale Kulissen gewöhnt – Eine Welt im Wandel zum Schlechten, man mache sich auf das Schlimmste gefasst!“

Überlegungen mit dem Autor Henmi Yō 25 Jahre nach 9/11.

 

Sekiguchi Yūji

Hokkaidō shinbun, 31. August 2026

 

In der „Hokkaidō-Zeitung“ vom 31. August 2026 hatte sich der 82-jährige Henmi in seiner Rolle als ehemaliger Kriegsreporter und beständiger Kritiker der Weltlage im Interview mit Sekiguchi Yūji besorgt über die weltweite moralische Abstumpfung und die Normalisierung von Kriegen geäußert. Fünfundzwanzig Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zog er eine düstere Bilanz über den Zustand des 21. Jahrhunderts. Sein Befund umfasst die Beobachtungen, dass im Rückblick der 11. September 2001 als zeitgeschichtlicher Wendepunkt gelten muss, der eine Spirale der Gewalt in Gang setzte, dass man sich an abnormale Kulissen gewöhnt habe und zudem eine Sprach- und Denkkrise auszumachen sei, mit der die Kraft des gesprochenen und geschriebenen Wortes stetig schwinde.

 

Der Unterschied der neuen Normalität zum vergangenen durch die beiden Weltkriege und den Kalten Krieg geprägten 20. Jahrhundert läge darin, dass es für die Gesellschaften trotz aller Grausamkeit eine Trennung zwischen „Kriegszeit“ und „Friedenszeit“ gegeben habe. 

Nun sei der Krieg, wie Henmi feststellt, in eine Endlosschleife übergegangen. Echter Friede existiere nicht mehr, sondern nur noch ein nahtloses Ineinanderübergehen globaler Konflikte. Während die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts wie der Holocaust oder die Atombombenabwürfe die Menschheit in ein moralisches Entsetzen gestürzt und völkerrechtliche Institutionen hervorgebracht hätten, beobachtet Henmi heute eine vollständige Abstumpfung. 

Die Kriege würden über eine mediale Dauerberieselung und durch die Social Media konsumiert, das Entsetzen ist Gleichgültigkeit gewichen, nicht zuletzt erzeugt durch die digitale Reizüberflutung und die Normalisierung von Kriegsbegriffen im Alltag – eine subtilere, gefährlichere Zersetzung des Denkens als die frühere Propaganda: Die Gesellschaft verlerne die Fähigkeit, das Leid überhaupt noch als solches zu begreifen, weil Begriffe inflationär und inhaltsleer verwendet würden.

 

Könne man den Krieg im 20. Jahrhundert noch als schrecklichen Einbruch der Zivilisation wahrnehmen, ist er im 21. Jahrhundert zum permanenten Hintergrundrauschen geworden – ein „Wandel der Welt zum Schlechteren“, angesichts dessen man sich auf das Schlimmste gefasst machen müsse.

 

 
 
 

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