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Wikipedia-Eintrag zum Maler Ishida Tetsuya (1973-2005)

"Ishida Tetsuya, vierter Sohn seiner Eltern Yoshihiro und Sachiko Ishida, artikulierte vor allem Ängste sowie Gefühle der Enge und des Gefangenseins in der japanischen Gesellschaft. Seine Arbeiten repräsentieren die Nöte des jungen Humankapitals im „System“ seiner Ära wie sie zugleich in eindrucksvollen visuellen Psychogrammen den Niedergang des Erfolgsmodells Japan mit Beginn der Heisei-Ära (1989–2019) spiegeln und ebenso als zeitlose Kunst existentieller Beklemmung. Der Künstler starb im Alter von 31 Jahren auf einem Bahnübergang in Machida als der Zug ihn erfasste; man vermutet Suizid.


Ishidas Generation sah sich mit dem wirtschaftlichen Abstieg seines Landes konfrontiert, der, nach der sogenannten Bubble-Phase der 1980er und ihrem „Platzen“ (baburu no hôkai), in den 1990ern einsetzte. Als Angehöriger der „Verlorenen Generation“ (rosujene) war man angesichts eines schrumpfenden Arbeitsmarkts im schlimmsten Fall von Arbeitslosigkeit und langfristiger Prekarisierung bedroht. Universitätsabsolventen bot sich jedenfalls kaum mehr der Einstieg in attraktive Berufe, die ein gewisses Maß an Selbstverwirklichung ermöglichen, etwa in der Kreativbranche. Der Maler zeigt die Atmosphäre in der gedämpften Farbigkeit (vorwiegend Schwarztöne, Grau, blasses Blau) seiner Werke. Er entwirft ein tristes Szenario kalter Urbanität und mechanistischer Abläufe, das den jungen Angestellten das Leben erschwert (Stichwort ikizurasa), ihnen letztlich jede Lebenskraft nimmt, um sie am Ende ausgebrannt als leere Hüllen zurückzulassen. Ishida selbst verdiente sich den Lebensunterhalt temporär mit Aushilfsjobs in Convenient Stores (konbini) oder bei Straßenbauarbeiten, wobei ihn, wie es Freunde schildern, die zwischenmenschliche Kommunikation am meisten belastete.


Seine künstlerische Zeitdiagnose der Entfremdung des Humansubjekts in einer dystopischen Technopolis gilt heute als einzigartig und unübertroffen. Typisch sind die meist als alter ego Ishidas (jap. bunshin) erscheinenden Jungen oder jungen Männer, häufig im Anzug des japanischen Angestellten (salary man), deren Körper auf Extremste eingeengt (in Kisten, Schachteln) und oft sogar mit Gegenständen der urbanen Umgebung verschmolzen sind – z. B. mit Dingen des Alltags wie Waschbecken (wahlweise WC, Heizung, Stuhl, Bett), mit der Architektur, mit Geräten, Maschinen oder anderen Produkterzeugnissen. Es sind beklemmende Visionen von Einschränkung und Unfreiheit, zwanghafte Fixierungen, die sich sozusagen bis ins Fleisch festsetzen. Mit ihnen vermittelt sich eine Welt, die zutiefst trostlos und ebenso banal erscheint. Dem einsamen Ich, dessen Gefühle der Angst (jap. fuankan) vor allem mit der Arbeitskultur und einer Zukunft ohne Hoffnung in Bezug stehen, bleibt nur die Desintegration im Hamsterrad von Alltag und Arbeit sowie in der Leere ewigen Konsums, wenn nicht der „Tod durch Überarbeitung“ (karôshi) eintritt."






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